Gott ist anders

April 24, 2018

Wir alle haben unsere Vorstellungen davon, wie wir „eigentlich“ leben sollten, was es heißt, Jesus nachzufolgen und wie Begegnungen mit Gott in sogenannten „stillen Zeiten“ funktionieren. Doch Gott ist anders. Sehr überraschend anders.

 

 

Viele Jahre reservierte ich mir in meinem Kalender sieben stille Tage am Jahresanfang. Von dieser Woche versprach ich mir viel. Ich wollte raus aus dem Alltag, Zeit haben, um auf Gott zu hören. Bücher lesen. Über die geplanten Dienste des neuen Jahres nachdenken und schon manches vorbereiten. Mein Auto war für gewöhnlich vollgestopft mit Literatur. Alles wollte ich in diesen Tagen der Stille schaffen. Natürlich hatte ich auch eine Bibel dabei. Also, gleich mehrere, um verschiedene Übersetzungen mit einander zu vergleichen.

 

 

Mein Problem war: ich nahm mich immer selbst mit - mit meiner Unruhe und meiner „Gabe“, mich ablenken zu lassen. Und auch mit meiner Vorstellung von „Tagen der Stille“ und mit meinem schlechten Gewissen, wenn meine Tagesgestaltung nicht dem entsprach, was ich mir vorgenommen hatte.

 

 

Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem ich mich nach Walcheren zurückgezogen hatte, einer Halbinsel im holländischen Rheindelta. An einem Tag hielt es mich einfach nicht im Wohnmobil, mit dem ich damals unterwegs war, sondern ich setze mich auf mein Fahrrad und fuhr nach Middelburg. Ich liebe diese rot weißen Kleinstädte Hollands. Ich mag es auch, durch die Geschäfte zu schlendern und mir die Angebote anzuschauen. Nur, das passte nicht zu meiner Sicht von „Stillen Tagen“.

 

 

Ich weiß noch gut, wie ich damals über den Marktplatz ging, umgeben von vielen beschäftigten Menschen. Auf einmal drückte mir jemand eine Spruchkarte in die Hand. In holländischer Sprache las ich:

 

„Fürchte dich nicht,

denn ich bin mit dir und will dich segnen.“

1. Mose 26:24

 

Ich war tief berührt. Ich hatte gedacht, dass Gott mein Vergnügen am Stadtbummel missfallen würde. Mitten im Trubel auf dem Marktplatz sprach Gott mich nun an und machte mir Mut! Er sprengte meine Sicht von einer Begegnung mit ihm.

 

 

In meinen Vorstellungen von „Stiller Zeit“ waren die Zeilen eines alten Kirchenliedes abgespeichert: „nur an einer stillen Stelle legt Gott seinen Anker an.“ Das machte Gott klein und packte ihn in eine Box. Gott ist so überraschend anders als wir denken. Wir sind oft mit unseren religiösen Vorstellungen und unseren inneren Haltungen fest gelegt. Gott zeigte mir, dass er mir auch auf einem Marktplatz begegnen kann, selbst wenn ich von einer Menge Menschen umgeben bin. Er ist so ganz anders und lässt sich nicht in unsere „religiösen“ Rahmen packen.

 

 

Vor etwa 3.400 Jahren ist ein Mann auf der Flucht vor seinem Bruder, den er um das Erbe gebracht hatte. In der Nacht träumt er von Gott und von den Versprechen, die Gott ihm gemacht hat. In Genesis 28,16 heißt es dann: „Da wachte Jakob auf und sagte: »An diesem Ort ist der Herr, und ich habe es nicht gewusst.«“ Ich wünsche dir auch solche Momente, in denen du Gott begegnest und voller Staunen bist, weil er deinen Horizont erweitert, und er einfach anders ist, als du es erwartet hast.

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