Gesunde Beziehungen: Liebe, Wahrheit und klare Grenzen

February 23, 2018

 

Du hast eine große Berufung, die du in deinem Herzen trägst. Du sollst ein Welt-Veränderer sein, ein Gesellschafts-Beeinflusser, einer, der Geschichte schreibt. Hat Gott dir bereits Konkretes in dein Herz gegeben als eine Sehnsucht und einen Traum? Was hindert dich, mutig dort hinein zu gehen?

 

 

Eines der größeren Hindernisse auf unserem Weg der Nachfolge ist es, Menschen gegenüber nicht Nein sagen zu können. Oft sind wir nicht in der Lage, klare Grenzen zu setzen und womöglich jemand anderes zu enttäuschen. Wenn wir den Wunsch unseres Freundes oder Arbeitskollegen abweisen würden, könnte er sich immerhin verletzt fühlen. Wir können nicht aushalten, wenn Menschen von uns enttäuscht und deshalb traurig oder ärgerlich sind. 

 

 

So ging es mir auch. Ich glaubte sogar, dass genau diese Haltung dem Liebesgebot von Jesus entspricht; denn er ist schließlich die Liebe in Person. 

Hat Jesus nicht auch jedem geholfen, der zu ihm kam? War er nicht auch so sensibel, dass er sogar erspürt hat, was die Menschen brauchten, und gab er ihnen nicht die Wärme, Nähe und Bestätigung, die sie brauchten?

 

 

Später habe ich verstanden: Jesus hatte den Willen seines Vaters im Fokus, nicht die Bedürfnisse der Menschen. Deshalb war er in der Lage, gesunde Beziehungen zu leben, voller Liebe, Wahrheit und klaren Grenzen. Wie hat er das gelebt?

 

 

Jesus war eng verbunden mit wenigen, diente aber Tausenden. Er lebte verschiedene "Nähegrade". Man kann auch sagen:

Er wählte aus. 

 

 

BEZIEHUNGS-KREISE

 

 

Stell dir einmal konzentrische Kreise vor für die unterschiedlichen Beziehungen, die Jesus lebte: Im Inneren war ein einziger seiner Freunde, sein Lieblingsjünger, dessen Nähe er besonders liebte: Johannes. Jesus rechtfertigte sich deswegen nicht gegenüber seinen anderen Freunden. Er fand nicht, dass er alle gleich behandeln müsse. Im zweiten Kreis kamen danach andere, die ihm nahe standen. Die zwölf Jünger? Nein, sondern zwei weitere, von ihm gewählte Freunde: Petrus und Jakobus. Lässt es Jesus zu, dass alle Menschen so viel Zeit und Kraft von ihm beanspruchen, wie sie meinen zu benötigen? Nein. Er sucht sich seine nahen Freunde selbst aus. Und seine Entscheidung richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen um ihn herum. Sicherlich hätten eine ganze Reihe Leute Jesus gern für sich vereinnahmt. Doch Jesus entscheidet für sich selbst. 

 

Der dritte, nächst größere Kreis: die Zwölf. Sie leben mit Jesus. Sie sind seine engen Vertrauten. Mehr als zwölf Freunde, das kannst auch du gar nicht schaffen. Alle anderen Menschen außerhalb der zwölf Jünger gehören für Jesus in die weiter entfernten Beziehungs-Kreise. Das bedeutet: Er nimmt sich für sie nicht "alle Zeit der Welt", sondern meist hat er Zeit für nur eine einzige Begegnung, die allerdings oft ihr Leben  umkrempelt. Jesus ist nicht "immer für sie da". 

 

 

Wie verteidigt Jesus diese von ihm gesetzten Grenzen? Er schickt Menschen weg, die bei ihm bleiben wollen (Markus 5:18-19). Er läuft Menschen nicht nach, obwohl sie zum Verzweifeln traurig sind (Matth. 19:20). Er lässt sich nicht manipulieren zu helfen (Joh. 2:3ff). Jesus ist komplett frei, auf die Weisungen seines Vaters im Himmel zu hören und auch mal genau das Gegenteil dessen zu tun, was er normalerweise macht oder was Menschen erwarten (Johannes 11:1ff). 

 

 

 

BEZIEHUNGS-CHECK

 

 

Ich ermutige dich, dein Leben fest an den Vater im Himmel zu binden, so wie es Jesus tat. Willst du deine Beziehungen mal unter die Lupe nehmen? Dann bitte den Heiligen Geist, dir zu helfen, deine Beziehungen zu sortieren. Frage dich: Wer kostet mich Kraft? Von wem fühle ich mich gestärkt? Von wem ermutigt? Wer dagegen versucht mich zu manipulieren oder mir ein schlechtes Gewissen zu machen? Wer macht mir Vorwürfe oder schiebt mir Schuld zu bzw. Verantwortung, die er selbst tragen sollte? In welcher Beziehung gibt es ein Geben und Nehmen? Welche Beziehung funktioniert auf Augenhöhe? Wo fühle ich mich überlegen oder unterlegen?

 

 

Du musst nicht groß darüber sprechen, dich nicht den Leuten gegenüber rechtfertigen, wenn du Entscheidungen hinsichtlich deiner Beziehungen triffst. Lebe einfach diese Kreise und wache über deine Grenzen! 

 

 

Du sollst wissen, dass dieser Klärungsprozess hinsichtlich deiner Beziehungen ein Teil deiner Ausbildung ist. Und ein Teil deines Trainings, das du anderen geben wirst.

 

 

Und dann starte mutig damit, deine Priorität zu leben und in deine Berufung hinein zu gehen. Verbringe tiefe Zeit mit dem einen Menschen. Das ist deine Frau oder dein Mann, wenn du verheiratet bist. Baue nahe, offene und warme Beziehungen zu wenigen. Und gehe hinein in deine Berufung, diene Hunderten, ja Tausenden wie Jesus es getan hat! 

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